Verlassene Nazi-Megastruktur. Hitlers Ferienanlage
Hallo und herzlich willkommen zum On the Front Blog, wo wir alles rund um den Zweiten Weltkrieg besprechen.
In diesem Blog werde ich das Koloss Prora Resort besprechen. Dieser Gebäudekomplex aus der NS-Zeit befindet sich auf der Insel Rügen in Norddeutschland. Zwischen 1936 und 1939 wurde der Komplex als Ferienstrandresort im Rahmen des Projekts „Kraft durch Freude“ (KdF) konzipiert. Diese 4,5 km lange Nazi-Megastruktur, die für 20.000 Gäste ausgelegt war, ist der längste Gebäudekomplex der Welt. Sie besteht aus acht identischen Gebäuden, die 150 m vom Strand entfernt liegen. Die erhaltenen Strukturen erstrecken sich über ganze 3 km.
Das Projekt „Kraft durch Freude“ war eine staatliche Initiative, die im November 1933 gegründet wurde, um deutschen Arbeitern erschwingliche Urlaubsmöglichkeiten zu bieten, die ursprünglich nur der Mittel- und Oberschicht zugänglich waren. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Propagandaministerium betrieben und ermöglichte den ärmsten Deutschen den Zugang zu Theaterkarten, Wanderungen und Tagesausflügen. Bis 1937 hatten rund 9,6 Millionen Deutsche an einer „Kraft durch Freude“-Exkursion teilgenommen.
Urlauber im Rahmen des KdF-Programms
In Zusammenarbeit mit der italienischen Diktatur bot Kraft durch Freude auch internationale Reisen an die italienische Riviera und Skiurlaube in den italienischen Alpen an. Das Projekt war ein großer Erfolg und verkaufte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rund 45 Millionen Reisen.
Der Bau von Prora war ein ehrgeiziges Projekt. Hitler bestand darauf, dass alle Zimmer Meerblick haben sollten. Es gab Pläne für eine gigantische Festhalle, die angeblich alle 20.000 Gäste gleichzeitig beherbergen konnte. Es waren zwei Wellenbäder, ein Theater und ein Kino vorgesehen. Das Projekt, das unglaubliche 237,5 Millionen Reichsmark (heute 57 Millionen Euro) kosten sollte, wurde nie realisiert; die Bauarbeiten kamen mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen.
Verlassener Abschnitt der Anlage Prora
Während des Krieges diente der leerstehende Komplex als Schutzraum bei Luftangriffen, als Notunterkunft für Flüchtlinge und als Unterkunft für weibliches Hilfspersonal der Luftwaffe.
1945 übernahm die Sowjetarmee die Kontrolle über das Gelände und wandelte es in einen Militärstützpunkt um, wobei die Gebäude entwertet wurden. Die Sowjets rissen große Teile der nördlichen und südlichen Gebäudekomplexe ab. In den 1950er Jahren wurde die Kontrolle über das Gelände der ostdeutschen Regierung (Deutsche Demokratische Republik, DDR) übertragen, und mit der Gründung der Nationalen Volksarmee (NVA) im Jahr 1956 wurde das Gebäude in eine Militärkaserne umgewandelt. Die erhaltene Inneneinrichtung ist noch heute in ihrem unrenovierten Zustand zu sehen.
Letzte verbliebene Originalabschnitte in Renovierung
Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die NVA in die westdeutsche Bundeswehr eingegliedert, und das Gelände diente noch kurze Zeit als Militärkaserne. Von 1992 bis 1994 wurde der Komplex in ein Flüchtlingszentrum umgewandelt und beherbergte Asylsuchende vom Balkan.
Für den Rest der 90er Jahre war der Komplex weitgehend verlassen, abgesehen von seiner Nutzung als Museum, Ausstellungszentrum und Kunstgalerie. Erfolglose Verkaufsversuche des Geländes führten zu einer staatlich unterstützten Initiative, einen Teil des Komplexes in eine Jugendherberge umzuwandeln, die größte Jugendherberge Europas.
Im Jahr 2004 wurde beschlossen, das Gelände in Abschnitten zu verkaufen, wobei mehrere Investoren große Teile erwarben, und 2008 wurden Pläne genehmigt, das Gelände seinem ursprünglich vorgesehenen Zweck als Ferienanlage zuzuführen.
Renovierte Abschnitte der Anlage Prora
Die Kritik von Einheimischen, die der Meinung waren, dass es bereits zu viele Touristen in der Region gäbe oder dass die Geschichte des Ortes eine touristische Entwicklung unangebracht mache, wurde überstimmt, und die umgestaltete Jugendherberge mit über 400 Betten (Deutschlands größte Jugendherberge) wurde 2011 eröffnet. Weitere Entwicklungen durch mehrere Investoren haben dem Komplex neues Leben eingehaucht, wobei das Gelände nun ein Luxushotel, ein Einkaufszentrum und eine Kunstgalerie beherbergt. Mehrere Blöcke wurden auch in Luxusapartments umgewandelt, die als Ferienwohnungen vermarktet werden. Diese Strandapartments können auch zur Kurz- und Langzeitmiete auf verschiedenen Online-Buchungsplattformen gefunden werden.
Teilen Sie mir Ihre Gedanken zum Prora-Resort mit und ob Sie einen Aufenthalt in einer der Unterkünfte in den Kommentaren unten buchen würden. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal bei On the Front.